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 Abgeholt

 

Das ist die Geschichte eines Abends, wie er nicht sehr selten bei uns zu Hause abgelaufen ist. Der Körper ist zu diesem Zeitpunkt etwa vier Jahre alt und die Seele schon längst aufgespalten. Darum sind die Ereignisse dieses Abends auch die Geschichten mehrerer Innenkinder, die jeweils nur einen Teil erlebt und ertragen und sich dabei regelrecht abgewechselt haben.

Was ihr hier lesen könnt, ist das, was wir zusammengetragen haben, was uns diese Innenkinder erzählten und berichteten, und was dann zu einer einigermaßen zusammenhängenden Geschichte aus der Sicht eines einzelnen Kindes - das es damals in dieser Form schon gar nicht mehr gab - wurde.

Alle Namen wurden verändert.

 

 

Es ist schon dunkel, aber nicht sehr spät. Bestimmt kommt der Winter bald, die Bäume sind ganz kahl und Mondlicht scheint durchs Fenster.

Die Tür zu dem Zimmer, in dem ich schlafe ist offen. Das ist sie immer. Weil ich ja so Angst alleine habe. Ich weiß nicht warum sie das erzählen. Ich bin gern alleine und ich mag es wenn es dunkel ist und ich gar nichts sehe. Dann kann auch mich niemand sehen und finden.

Das Zimmer ist auch kein Kinderzimmer. Das gehört zu dem Schlafzimmer von der Oma und dem Opa, nur eine Tür ist dazwischen und in dem Zimmer sind alle Sachen von denen, damit die nicht im Schlafzimmer rumstehen und es ordentlich ausschaut. Mein Bett steht zwischen den Sachen, aber ich mag das Zimmer, weil es ein Fenster hat. Ich kann dann nachts immer rausfliegen aus dem Fenster, ganz weit weg.

Später irgendwann, da bin ich in die Schule gekommen, da musste ich dann nur noch im Kämmerchen schlafen. Das hat kein richtiges Fenster und nie Licht gehabt und auch nur ein Bett hat reingepasst weil das so klein war. Da war ich krank gewesen. Ich glaub der Opa war böse, weil ich so lange krank war und dann musste ich ins Kämmerchen.

Die Oma bringt mich immer früh ins Bett. Ich würde zu viel schlafen sagt sie und morgen nie raus wollen, wenn ich in den Kindergarten soll. Aber ich kann erst recht nicht einschlafen. Ich habe geweint und gejammert, als ich ins Bett gebracht werden sollte. Ich mag nicht ins Bett gehen, ich habe Angst. Ich muss immer warten bis etwas passiert und es passiert immer erst was, wenn ich im Bett bin.

Unten im Haus fängt gleich die Schwarzwaldklinik an. Ich kenn die Musik. Ich höre immer zu. Letzte Woche bin ich die Treppe runter geschlichen, weil ich so gerne etwas sehen wollte. Der Opa hat mich aber erwischt und zur Strafe musste ich im Keller in der Kartoffelkiste schlafen. Das hat mächtig Haue gegeben und die Tür hat er auch verriegelt.

Böse Kinder kommen in die Kartoffelkiste. Ich bin ein ziemlich böses Kind, denn ich bin oft in der Kiste. Manchmal schlägt der Opa die Kiste mit Nägeln zu. Dann bekomme ich Angst und glaube, dass er mich drin sterben lässt und manchmal sagt er auch wenn ich nicht still werde, dann komm ich mit der Kiste unter die Erde. Kleine Kinder werden immer in Kartoffelkisten begraben sagt er. Ich war mal mit der Oma auf dem Friedhof und hab die ganzen schönen Blumen gegossen und da waren auch ganz kleine Gräber und die Oma hat gesagt da liegen Kinder drin. Die waren bestimmt noch böser als ich, weil deren Opas die sogar auf dem Friedhof in die Erde gegraben haben.

Jetzt klingelt es unten an der Tür. Ich bekomme einen dollen Schreck. Der Opa macht auf, ich höre wie er redet und dann redet ein anderer Mann. Ich höre wie die Haustür zu geht und dann die Schritte, die die Treppe hochkommen. Das Licht geht an, ich tu als ob ich schlafe.

"Aufstehen!" sagt der Opa und schüttelt mich ein bisschen. Ich kneife die Augen ganz fest zu und halte die Luft an. Aber ich weiß, dass es ja schon zu spät ist. Der Opa nimmt meinen Arm und zieht dran. Ich plumpse aus dem Bett auf den Boden. "Tu nicht so!" sagt er und schaut ganz böse aus. "Hier, zieh an und vergiss die Schlappen nicht." Er gibt mir meine Jacke, die zieh ich über das Nachthemd, rutsche in meine Hausschuhe und lass mich an der Hand fassen und die Treppe runterbringen.

Im Flur steht der Onkel Karl. Das ist ein Freund vom Opa, der kommt immer her zum Skat spielen, das ist ein Spiel mit Karten, das dürfen nur Männer spielen. Manchmal kommt der Onkel Karl einfach so vorbei, dann muss ich ihm mein Zimmer zeigen und mein Kasperle-Theater sagt die Oma, aber das stimmt gar nicht richtig. Der Onkel Karl macht immer was ganz anderes auf meinem Zimmer.

Ich zieh am Arm vom Opa und will wieder die Treppe hoch, aber das gibt nur eine Backpfeife. Ich weiß schon genau, dass man jetzt nicht weinen darf.

Der Onkel Karl nimmt mich auf dem Arm und sagt noch was zum Opa. Dann geht die Haustür zu und ein bisschen fang ich doch an zu weinen…

"Na na na" sagt der Onkel Karl und streichelt mich. Aber nicht schön. Der streichelt unterm Nachthemd und zwischen meinen Beinen und zieht die Unterhose weg wo er mich ins Auto packt und den Gurt festmacht. "Die brauchst du doch nicht" sagt er und dann lächelt er als wenn er ganz lieb wäre und streichelt weiter. Und mein Hausschuh bleibt auf der Strasse liegen.

Wir fahren dann ganz lang im Auto und der Onkel Karl raucht und das ist so eklig. Und kalt ist es auch, aber ich schau aus dem Fenster zu den Lichtern, da sind rote und weiße, die spiegeln sich in der Fensterscheibe. Die sind von den anderen Autos auf der Straße.

Und dann sind wir auch schon da. Das Auto hält und der Onkel Karl hebt mich raus und trägt mich wieder. Er geht zu der Haustür von dem Haus wo wir stehen und klingelt. Da macht ein anderer Mann auf und der Onkel Karl sagt: "Schau mal, was ich mitgebracht habe" und dann sollen wir reinkommen.

Drinnen läuft Musik von einem Plattenspieler und da sind Männer, die rauchen und trinken Bier aus Flaschen. Vier sitzen an einem Tisch und spielen Karten und der eine flucht laut und sagt immer "Du Saubock du dreckiger", wer anders lacht dann laut und andere stehen einfach so da. Der Mann, der die Tür aufgemacht hat bringt uns zu einer anderen Tür, dahinter ist ein Zimmer. Ich halt mich ein bisschen am Onkel Karl fest. Ich hab ganz dolle Angst und will wieder nach Hause. Ich weiß, dass ich nicht weinen darf, es kommen Tränen und ich muss schnaufen.

Ich werde in ein Zimmer getragen, das ist ganz dunkel, nur ein bisschen Licht von draußen und von der Tür kommt rein. Der Boden ist aus Holz. Und sonst sind da nur ein alter Tisch, wo Leute dran schreiben und eine Matratze ganz hinten am Zimmer. Der Onkel Karl legt mich da drauf und zieht mir die Jacke und das Nachthemd aus. Meinen einen Hausschuh auch. Jetzt hab ich nur noch mein Hemdchen, weil die Unterhose ja noch im Auto ist. Die brauch ich ja nicht hat der Onkel Karl gesagt.

Dann geht er weg, der andere Mann auch und sie machen die Tür hinter sich zu. Ich setz mich auf die Matratze. Eine Decke gibt es nicht. Licht fällt durch den Ritz unter der Tür. Ich kann die Männer draußen hören. Sie reden, sie lachen und es klirrt und einer haut auf den Tisch und Musik läuft.

Dann geht die Tür wieder auf. Ein Mann kommt rein, das ist einer von denen,  die da draußen gestanden haben mit den Flaschen in der Hand. "Was bist du denn für eine Schnecke?" fragt er mich. Aber ich sage kein Wort. Ich weiß nicht ob ich was sagen darf. Ich rutsch ein bisschen tiefer in die Ecke. Der Mann macht mir Angst. "Na sei doch nicht so schüchtern" sagt er und hat schon die Hose runtergelassen. An den Beinen zieht er mich raus aus der Ecke und dann hockt er sich so über mich und legt sich auf mich drauf und ich will mich rumdrehn und rauswinden, aber der ist so schwer. Ich dreh mich weiter und er hält mich fest und drückt mich runter und nimmt meine Beine und drückt die nach hinten und legt sich dann so komisch drauf. Ich will weg, das tut weh, mir tun die Beine weh und ich will weg, aber ich kann kein Fenster sehen wo ich rausfliegen kann.

Ich stöhne und muss auch jammern und bekomme keine Luft. Der Mann ist auch ganz wackelig. Bestimmt hat er Bier getrunken. Der Opa wackelt auch immer so rum und der Onkel Karl, wenn die Bier getrunken haben oder das Brennzeug, das heißt Korn glaub ich. Der Mann nimmt einen Finger und steckt ihn mir da unten rein und macht so drin rum. Aber ich hab ganz dolle Angst und ich glaub mein ganzer Körper wird wie aus Holz so fest. Und dann will der Mann sein Ding da reinstecken und das geht nicht. Und ich such noch immer das Fenster und höre wie von weit weg das mein Mund stöhnt und dass der heult und ich denke mir, dass ich doch nicht weinen darf, aber der Mund heult immer weiter.

Dann macht es wie ein Plopp, so als wenn man auf eine Schnecke drauf getreten ist. Ich bin eine Schnecke denke ich und ein großer Fuß hat auf mich drauf getreten. Und jetzt tut alles weh, das da unten ist als wenn ein Messer einen sticht und das geht durch den ganzen Körper. Der Mann hat auch sein Ding jetzt drin und schiebt das immer tiefer rein und wieder raus. Ich höre den Mund und der weint nicht mehr, der heult ganz laut. Ich würde meinem Mund am liebsten sagen, dass er jetzt ganz still sein muss und nicht heulen und nicht immer lauter werden. Und den Schmerzen mag ich auch sagen, dass die weggehen sollen, denn ich hab kein Fenster hier wo ich rausfliegen kann.

"Hör auf zu kreischen du dummes Ding." sagt der Mann und haut zu. Und dann wird er schneller und schimpft dabei und sagt böse Worte, von denen ich viele gar nicht kenne aber manche schon, die sagt der Onkel Karl auch oft.

Dann ist er fertig und dabei sagt er viele Schimpfwörter. Er hockt sich hin und steht auf und zieht mich an einem Bein noch mit und lässt mich liegen und reißt die Tür auf und flucht und der Mann, dem das Haus gehört und der Onkel Karl kommen her und dann schimpft er "Scheiß Babyfotze, schau dir die Sauerei an" und dann wird das Licht angemacht. Ich hab pinkeln müssen und das ist auf dem Boden jetzt und das schaut aus wie lauter Blut und an den Beinen und am Popo ist alles rot. Ich schäm mich so dolle und der Mann schimpft "und kreischt wie am Spieß, die kleine Hure." Dann kommen andere und ein anderer lacht ganz laut und sagt: "Was hast du denn, so is doch am geilsten." Und der andere Mann kommt wieder her und ist ganz böse und tritt mir zwischen die Beine und das tut so weh, dass ich glaube jetzt platzt der ganze Körper auf und ich krieg nie wieder Luft.

Der Onkel Karl zieht mich am Arm hoch und knallt mir eine Backpfeife und da zieht er mich weg in ein Badezimmer und stellt mich in die Wanne und zieht das Hemdchen aus und braust mich ab mit ganz kaltem Wasser. Ich muss dann frieren und dann wird der Kopf wieder wach. Dann werde ich abgetrocknet und das Handtuch kriegt rote Flecken. Der Onkel Karl schaut nach zwischen den Beinen, da ist was ein bisschen kaputt gegangen und sagt: "Kann man nichts machen" und dann hebt er mich hoch und trägt mich in das Zimmer wo die Männer alle gewesen sind.

Ich soll dann so Schnaps trinken und der brennt und macht ganz heiß im Hals und Husten muss ich auch und dann lachen alle. Drei Gläser muss ich trinken. Mein Kopf wird ganz weich und mir wird schwindelig. Das ist gut. Die Männer reden noch, aber mein Kopf ist so weich, da gehen die Stimmen einfach durch.

Dann hebt mich jemand hoch und hockt mich auf den Boden und dann setzt der sich vor mich auf das grüne Sofa. Das hat so goldene Kordeln dran. Er macht die Hose auf und da schaut schon sein Ding raus. "Los" sagt er "du weißt doch wie das geht." und dann nimmt er beide Hände und hält meinen Kopf fest und drückt ihn in seinen Schoß. Er nimmt eine Hand weg und macht mit den Fingern meinen Mund auf und dann schiebt er mit seiner Hand sein Ding rein. Meinen Kopf drückt er dahin und das Ding rein in den Mund und tiefer und ich bekomme keine Luft mehr. Das schmeckt salzig und stinkt auch und der Mann nimmt meinen Kopf immer hin und her und mir wird schwindelig und ich will brechen und ich bekomme keine Luft mehr. Dann wird es warm und ganz bitter und ich will noch mehr brechen und ich muss husten und aus der Nase und dem Mund kommt das Zeug, was so glibberig klebt und dann breche ich doch und wer zieht mich an den Haaren hoch.

"Hab ich dir nichts beigebracht du dummes Ding?" Das ist der Onkel Karl, der ist am Tisch und hat eine Flasche und Karten in der Hand.

Ich muss wieder ins Bad und bekomme zwei Ohrfeigen. Eine fürs Husten und eine fürs Brechen. Meinen Mund soll ich auswaschen im Spülbecken und mit einem nassen Handtuch werde ich abgeputzt.

Ich werde dann wieder zurück gebracht und alle sitzen schon da und dann muss ich das gleiche noch mal machen mit einem und dann noch mal und noch mal. Ich weiß gar nicht wie lange und ich muss nicht mehr brechen. Ich pass dolle auf und schluck alles runter und dann kommt der Onkel Karl und nimmt mich hoch und sagt: "Das ist mein Mädchen." Er drückt mich und streichelt mir über den Kopf. Er trägt mich ein bisschen rum und nimmt mich mit ins Bad. Da holt er eine blaue Dose Niveacreme, die haben wir auch zu Hause und gibt sie dann draußen einem von den Männern.

Er setzt sich auf das Sofa und stellt mich hin und sagt ich solls ihm auch noch machen. Und ich gehorche und knie mich hin und mach auch die Hose vom Onkel Karl auf und mach alles wie es sich gehört und er nimmt meinen Kopf, das mag er gern. Plötzlich wird es kalt an meinem Popo und da sind Finger die schmieren was drauf und mein Herz klopft ganz schnell. Die Finger rutschen in meinen Popo und ich will aufhören und erschreck mich und will was sagen aber das geht ja nicht. Ich mag das nicht, das tut mir immer am meisten weh. Ich drück mich ganz feste vom Onkel Karl weg, aber er hält meinen Kopf und schiebt ihn ganz fest auf sein Ding und ich krieg keine Luft. "Schhhht"

Ich kann gar nichts sehen. Einer der Männer steckt sein Ding in meinen Popo und das tut furchtbar weh. Ich will schreien, aber das kann ich nicht und ich darf ja auch nicht, aber der Mund macht komische Geräusche weil ja noch was drin ist.

"Guck mal, die stöhnt ja, die findet das geil die kleine Nutte"

Ich kann nicht mehr. Ich muss jetzt doch fast wieder brechen und krieg kaum Luft und ich hab Tränen, die mir aus dem Gesicht laufen und komische Geräusche, die aus meinem Mund kommen und mein Popo tut so weh, der macht den kaputt, ich kann das hören und ich will nur noch sterben. Ich denke dran, wie ich sterbe und wie ein Engel kommt und mich wegträgt in den Himmel und da merke ich gar nicht, wie der Mann aufhört und der Onkel Karl auch fertig ist. Ich merke auch nicht wie noch ein anderer mich über die Sofa lehne legt und auch mit seinem Ding meinen Popo kaputt macht. Ich will das nicht mehr merken, ich will nur noch mit Engeln fliegen und keinen Popo mehr haben und auch gar nichts anderes mehr.

Ich weiß auch nicht mehr wann ich nach Hause gebracht worden bin.

Ich bin krank geworden sagt die Oma am nächsten Tag. Ich kann nicht in den Kindergarten. Der Opa nimmt mich mit in sein Auto, wir müssen zum Arzt sagt er, weil ich ja krank bin. Ich kann nicht sitzen, das tut weh. Wir Fahren zum Doktor Gerster, der ist auch schon da als wir kommen und die nette Frau die immer am Eingang am Tisch sitzt lächelt mir freundlich zu. Der Doktor sagt ich wäre ganz bös hingefallen, weil ich heimlich auf dem großen Rennrad fahren wollte. Ich überlege ob das stimmt, denn ich kann mich nicht an das Fahrrad erinnern.

Dann bringt mich die nette Frau in einen Raum mit einer Liege und geht wieder. Der Doktor kommt und zieht mir die Hose runter. "Das muss genäht werden" sagt er und ich glaube ich kriege eine Spritze. Ich merk aber dann nicht mehr viel.

"War ein ganz braves Mädchen" sagt der Doktor draußen und zwinkert mir zu. Die nette Frau schenkt mir einen Lutscher mit einem Hund drauf.

Der Doktor Gerster hat gestern Abend auch mit Karten gespielt…

 

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