hallo, ich bin kristin. ich bin so mitte zwanzig, in der gegend ist jedenfalls mein "gefühltes alter". ich bin beobachter, koordinator und diplomat. so könnte man zumindest in etwas hochtrabenderen worten das beschreiben, was ich den ganzen tag mach.

beobachten und koordinieren sind meine ursprünglichen aufgaben. meine "schwester" dahliah und ich sind zwei seiten einer medaille. zunächst entstanden wir wahrscheinlich um das chaos unter denen, die sich im alltag bewegten und zumeist nichts voneinander wusste, etwas zu ordnen. wir beide waren - und sind natürlich auch noch - in der lage trotz wechsel, die "vorne" unvermeidlich waren, zusammenhängend mitzubekommen, was passierte. das bezog sich auf die meisten alltäglichen situationen, wie schule, uni, arbeit, arzttermine, begegnungen mit anderen usw.. während dahliah eher jemand ist, der den terminkalender im auge behält, bin ich die personifizierte improvisation. ich glaube, dass man sich immer irgendwie durchs leben manövrieren kann. wenn ein plan fehlschlägt, dann versuchts man es anders so lange, bis gewünschte ergebnisse erziehlt wurden *grins*.

beobachten heißt, wie schon angesprochen, dass ich trotz wechsel in der lage bin zu erleben, was getan wird, was passiert und zwar kontinuierlich. person a sitzt beispielsweise in einer vorlesung, person b packt bei vorlesungsschluss die tasche zusammen, setzt sich in den bus und fährt ins büro, person c arbeitet, nach arbeitsende fährt person b wieder mit dem bus nach hause und person d geht noch schnell einkaufen, bevor die läden zumachen. jeder dieser einzelnen leute muss nicht zwangsläufig von den aktivitäten der anderen mitbekommen haben. ich hingegen sitze irgendwo im hintergrund, habe den tagesablauf miterlebt, weiß wann und wie es zu wechseln kam und in den meisten fällen auch, wer daran beteiligt war. ich kann allerdings nicht richtig in das geschehen eingreifen. ich beobachte, bleibe aber dort im hintergrund.

ich kann auch etwas, was ich gemeinhin als koordinieren bezeichne. das bedeutet grob gesagt, dass ich die möglichkeit habe personenwechsel zu provozieren, um für eine bestimmte situation geeignete innenpersonen oder anteile nach vorn zu setzen. meine methode ist nicht idiotensicher und funktioniert nicht immer so, wie ich das möchte – sonst würden angela und mäggi viel häufiger draußen sitzen. es ist schwer zu beschreiben was ich da mache. ich erkenne eine situation und habe vielleicht eine vorstellung davon, wer jetzt hilfreich sein könnte. dahliah beherrscht das weitaus besser als ich. als nächstes versuche ich die person oder den anteil zu „locken“, sei es mit bestimmten kognitionen oder emotionen (jaja, hochtrabende worte für etwas, was mir eigentlich sehr banal erscheint). nun kommt der teil, den ich am wenigsten beschreiben kann. ich schaffe einfach eine art mulde im übertragenen sinne, in die die neue person hineinrutschen kann.

seit einigen jahren beteilige ich mich auch am außenleben. ich habe gefallen daran gefunden mich mit anderen menschen auszutauschen, neue ideen, sichtweisen, weltbilder kennenzulernen und zu verstehen wie andere menschen denken, fühlen, erleben und arbeiten. ich könnte sagen das ist mit die größte bereicherung in meinem leben.

ich möchte auch unser system stück für stück besser kennenlernen, daher beschäftige ich mich sehr viel mit dem, was hier los ist. ich befasse mich mit unseren anteilen, personen, leuten oder wie auch immer wir uns nennen. ich versuche die strukturen, wie wir intern aufgebaut sind zu erfassen, auch wenn mir das nur zum teil gelingt. das ist auch nicht meine aufgabe, aber ich sehe mich als die integrative kraft in diesem system und möchte daher so viel wie möglich verstehen. ich habe auch einen großteil unserer "systemliste" miterstellt. dort sammeln wir uns gegenseitig könnte man sagen. es ist eine liste aller bekannten innenpersonen, die sich auch zeigen möchten. ich war erstaunt, wie stark diese liste doch von anderen genutzt wurde, wer sich dort alles eintrug, bemerkbar machte oder kommentare zu anderen innenpersonen schrieb.

unser system ist vergleichsweise groß und wir sind intern auch wieder in arten von gruppen aufgeteilt, die wiederum in sich geschlossen sind und untereinander stärker voneinander getrennt als zum beispiel die barrieren, die zwischen einzelnen innenpersonen bestehen können. wir nennen diese gruppen subsysteme, denn das sind sie irgendwo. seit beginn der listenführung, wo wir eben auch eine übersicht über bekannte subsysteme erstellen konnten, habe ich kontakt zu verschiedenen personen aus unterschiedlichen subsystemen herstellen und aufrechterhalten können. unsere kommunikation hat sich schon sehr verbessert. wir verstehen einander besser, so unterschiedlich wir auch manchmal scheinen mögen. wir haben auch noch eine ganze menge arbeit vor uns all das zersplitterte wieder zusammenzufügen. ich meine damit nicht, dass wir zwingend wieder eine einzige persönlichkeit werden müssen. ich muss zugeben, dass ich bezweifle, dass dieser weg für uns überhaupt möglich oder sinnvoll wäre. ich hoffe aber, dass wir eines tages wenigstens grob in die gleiche richtung marschieren können.

 

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