Einige aus dem System über Lizzy:

Lizzy gehört zu den früheren Abspaltungen und entstand zu einer Zeit, als es klar wurde, dass die Ehe der Eltern in die Brüche ging und sich Dinge verkomplizieren würden. Damals war der Körper etwa 1 1/2 bis 2 Jahre alt

Sie wurde aus der Not heraus geschaffen, damit jemand da war, der mit den komplizierten, sozialen Strukturen, die in unserer Herkunfstfamilie herrschten, zurecht kam.

Wir sind in verschiedenen "Familien" groß geworden, haben bei beiden Großeltern und später auch bei der Mutter gelebt, bei Onkel, Tanten und all das bedeutete sich schnell und unauffällig anzupassen.

Dafür was Lizzy da: das zu werden, was man von ihr erwartete. Sie spielte brav mit anderen Kindern im Kindergarten oder der Schule, sie wurde Christin, sie wurde Amerikanerin, sie kann sich jeder gegebenen Situation anpassen und ist daher für uns auch wichtig.

Als unsere ehemalige "Host" starb, verschwand, weil sie das Leben nicht mehr ertrug, die Vergewaltigungen, die auch sie erlitt, nicht verarbeiten konnte und uns mit ihren konstanten Suizidversuchen, der Magersucht und ihrem Drogenmissbrauch an den Rand der Existenz brachte, hat Lizzy den Job der Alltagsperson übernommen. Es war nicht leicht, wir geben es zu. Es war die Zeit, nachdem wir von zu Hause und dem Zugriff der Täter davon liefen. Sie befand sich in einer fremden Kultur, mit fremder Sprache und ganz anderen sozialen Anforderungen.

Sie hat diese Situation wie alle, die folgen würden gut gemeistert, obwohl die Zeichen denkbar ungünstig waren. Unser System war schwach, am zerbrechen.

 

 

 

 

 

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen auf meiner Seite

 

Ich bin Lizzy, 23 Jahre alt und eine der Alltagspersonen dieses Haufens. Ich kümmer mich im Besonderen um soziale Beziehungen, ich bin einfach eine richtige "people person" und daher fällt mir diese Aufgabe auch nicht so schwer.

Gemeinsam mit Angela studiere ich. Das lief nicht immer reibungslos, schon gar nicht, weil zwei so unterschiedliche Leute wie wir beide versuchen ein und dasselbe zu tun. Bevor wir es geschafft haben einigermaßen zusammenzuarbeiten hieß das oft Blackouts in Vorlesungen und Prüfungen, ungemachte oder doppelt angefertigte Hausarbeiten, verwunderte Professoren, befremdete Kommilitonen... verzweifelte Lizzy - kurz Chaos auf der ganzen Linie.

Ich lebe in einer wundervollen Beziehung zu einem noch wundervolleren Mann. Er macht mein Leben erst wirklich bunt und lebenswert. Ich bin so ungemein dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte und dass wir ihn an unserem Leben teilhaben lassen können. Es tut so gut jemanden so sehr zu lieben und so sehr zurückgeliebt zu werden

In meiner Freizeit mache ich hin und wieder Musik, ich spiele ein wenig Gitarre und singe gern. Eigendlich könnte ich das viel öfter tun, nur komme ich in letzter Zeit so wenig dazu. Wenn ich nicht gerade Musik mache - was im Augenblick sehr oft der Fall ist - dann verkrümel ich mich gern bei mir zu Hause, verbringe Zeit mit meinem Freund oder wir beide gemeinsam mit anderen Freunden. Ich liebe Spieleabende, ich geh für mein Leben gern ins Kino.

Ich glaube ich kann ein unglaublich aufgedrehter und fröhlicher Mensch sein - und genauso auch ängstlich, nervös und niedergeschlagen... ein sanguinischer Melancholiker. Am meisten Probleme bereiten mir meine Ängste. Immer wieder habe ich Phasen, wo ich kaum raus vor die Tür gehen kann, wo jedes bisschen Stress gleich einen Panikanfall auslöst. In der Vergangenheit habe ich immer wieder an unterschiedlich schweren depressiven Episoden gelitten.

Den Job als "Host" habe ich seit ca. 10 Jahren, davor war ich oft nur sehr selten draußen. Ich habe den "Posten" übernommen, als wir uns zu Hause aus dem Staub gemacht haben und versucht haben woanders ein neues Leben aufzubauen. Ich wurde quasi rausgeschmissen in eine Welt, die ich nicht kannte und musste lernen zu "schwimmen". Ich habe einige Erinnerungen an die Kindheit und Jugendzeit, aber die sind geprägt von vielen, großen Lücken.

Ich wusste als Kind, dass wir viele sind, dass es noch andere gab, die in dem Körper wohnten, ich habe manchmal mitbekommen, was sie ertragen und erleiden mussten, alles wie aus großer Ferne. Auch ich habe einiges von dem am eigenen Leib erfahren, bin einige Male als Kind, als Jugendliche und auch später als der Körper schon längst erwachsen war, vergewaltigt worden. Noch bin ich nicht so weit mich damit wirklich auseinanderzusetzen, ich denke einiges habe ich schon ein wenig verarbeiten können, anderes schiebe ich weg. Im Augenblick habe ich die Hoffnung, dass ich es schaffe in der Therapie, die wir machen, ein wenig Raum dafür zu bekommen... aber soweit bin ich noch nicht.