Forum Kontakt
DIS Persoenlich
Bibliothek
Trauma  
x  
Home Links
Sitemap
x

Beratungsstellen als "Erste Hilfe"

Ein Erfahrungsbericht von "Grisu" (Fortsetzung)


Auch ich habe mich vor 2 Jahren das erste Mal an eine Beratungsstelle gewandt. Für mich persönlich war es auf Grund der neuen Situation anfangs sehr ungewohnt und schwierig.

Vieles hatte ich verdrängt und ich kannte dieses Gefühl, plötzlich offen über meine Geschichte reden zu dürfen, gar nicht. Mit der Zeit wurde mir aber die Angst dort genommen, und ich habe diesen Schritt bis heute nicht bereut. Ich fand es vorallem sehr angenehm, dass ich dort mein eigenes Tempo gehen durfte. Anfangs habe ich mich mit der Therapeutin über das Wetter und meine Hobbies unterhalten. Ich wurde zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Weise ausgefragt. Manchmal gab es auch Stunden, wo wir uns angeschwiegen haben.

Es war zwar nicht leicht, Vertrauen zu fassen, doch mit der Zeit spürte ich, dass die Frau, die mir da gegenüber sitzt helfen möchte, dass sie mich versteht, dass sich plötzlich jemand um mich kümmert und sich Sorgen macht, wenn es mir schlecht geht.

Mittlerweile gehe ich gerne zu ihr hin, im Moment einmal pro Woche.

Seit ich bei einer Wildwasser-Beratungsstelle in Therapie bin, haben sich einige Dinge meines Lebens geändert. Ich habe es geschafft, meine Mutter mit dem Thema zu konfrontieren, sodass mein Vater (Täter) aus der Wohnung verbannt wurde und seitdem keinen Zugriff mehr auf mich hat. Dieser Abstand war und ist von sehr hoher Bedeutung für meinen weiteren Therapieverlauf. Ich fühle mich sicher und traue mich auch, neue Themen anzusprechen, die, als mein Vater noch zu Hause lebte – undenkbar waren. Damals konzentrierte sich die Therapie nur auf meinen Alltag, auf die Schule und die zwischenmenschlichen Beziehungen. Meine Therapeutin hat mich versucht über Wasser zu halten und mit mir darauf hin gearbeitet, dass der Missbrauch aufhört und ich mich von meinem Vater lösen kann.

Heute hingegen geht es um Verarbeitung meines Traumas mit allem, was dazugehört.

Ich habe gelernt, Nähe zu zulassen, zu erkennen, dass es richtige Freunde gibt, denen ich vertrauen kann. Vertrauen war für mich lange Zeit undenkbar. Immer wenn jemand „nett“ zu mir war, habe ich es angezweifelt. Mittlerweile habe ich es aber geschafft, mir ein soziales Netz aufzubauen, was mir unwahrscheinlich viel Kraft und Auftrieb gibt. Sicherlich gibt es immer wieder Rückschläge, aber ich kann es immer wieder mit in die nächste Therapiestunde nehmen und dort bearbeiten.

Ich bin froh, damals diesen Schritt gegangen zu sein und kann es wirklich nur empfehlen.

Heute bin ich zwar noch nicht „geheilt“ und es wollen noch einige Baustellen abgearbeitet werden, nur alleine wäre ich nie so weit gekommen.

Wo ich heute ohne Wildwasser stehen würde weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, es wäre nicht weit gewesen.

Fazit: Ich kann Beratungsstellen nur empfehlen, die Menschen dort kennen sich mit dem Thema aus und sind speziell auf diese Art von Trauma ausgebildet.

 

zurück